Lehm, Schlamm, Starkregen: Wassermanagement auf dem Grundstück Teil 1

Eine Herausforderung beim Bau, mit der ich am Anfang nicht gerechnet hätte, ist das Thema Wasser. Dazu werde ich sicherlich noch einiges in diesem Blog schreiben, in diesem Artikel soll es erst einmal um eine kleine Bestandsaufnahme gehen.

Die Vorschriften

Was wäre das Leben als Bauherr ohne gut gemeinte Vorschriften? In meinem Fall ist so eine Vorschrift die Retentionszisterne. Wir haben nämlich eine moderne Kanalisation, in der Regenwasser und Abwasser getrennt sind. So weit, so gut. Damit die Regenwasserkanalisation nicht überlastet wird, muss auf jedem Grundstück eine Retentionszisterne mit 3,5 Kubikmeter eingebaut werden.

Eine Retentionszisterne speichert das Wasser nicht dauerhaft, sondern gibt es langsam an die Kanalisation ab. Effektiv bedeutet das also, dass man für teures Geld eine Zisterne vergräbt, von der man erst einmal nichts hat. Zum Glück gibt es auch Kombimodelle, in denen der untere Teil der Zisterne für die Gartenbewässerung genutzt werden kann. Eine große Zisterne kostet nur wenig mehr als eine kleine Zisterne, meine fasst entsprechend 8 cbm insgesamt.

Dazu kommt noch die Vorgabe auf der Einfahrt ein sickerfähiges Pflaster zu verbauen, Flächenversiegelung ist ja ein heißes Thema. Und in Deutschland kostet selbst der Regen Geld in Form der Niederschlagswassergebühr. Bei sickerfähigem Pflaster ist das noch ein bisschen reduziert, sodass es sich lohnen kann, das auch sonst zu verbauen.

Die Lage

Steht man am Grundstück, dann merkt man kaum, welches Gefälle das Gelände tatsächlich hat. Am Ende ist es doch deutlich mehr als man so denkt. Am Ende sieht man das auch an der vorgesehenen Erdgeschossfußbodenhöhe (EFH):

Die Nachbargrundstücke im Norden und Osten liegen alle etwas höher als meins. Bei Starkregen ist also durchaus damit zu rechnen, dass Wasser vom Nachbargrundstück rüberläuft. Dabei hilft es auch nur bedingt, dass das Haus nicht auf 666m liegt, sondern einen halben Meter tiefer.

Der Boden

Eine nicht so tolle Eigenheit unseres Grundstücks ist der Boden darunter. Es handelt sich um schweren, lehmigen Boden, der kaum wasserdurchlässig ist. Wie wasserundurchlässig genau? Da hilft die hydraulische Leitfähigkeit (kf-Wert) weiter. Je geringer der Wert, desto langsamer sickert Wasser durch den Boden. Unser Boden liegt bei 9,5 * 10-8, die Grenze für wasserdurchlässige Böden wird bei 10-6 gezogen. Da sind wir also locker eine Größenordnung entfernt. Entsprechend ist der Boden ziemlich schlammig und das Wasser steht überall in Pfützen, selbst wenn es einige Tage lang nicht geregnet hat.

Die meisten Hersteller von Sickerpflaster geben als Empfehlung übrigens 10-5 an, also zwei komplette Größenordnungen besser als der Boden. Streng genommen wird der Boden durch das Pflaster auf der Einfahrt also nicht versiegelt, sondern entsiegelt. Was sich lustig anhört, könnte im Winter zum Problem werden, denn das Wasser läuft nicht mehr oberflächlich ab, sondern sickert in den Unterbau. Dort gefriert es und dehnt sich aus, hebt dabei den Unterbau an.

Es ist nicht alles schlecht

Zum Glück gibt es auch ein paar gute Aspekte beim Wassermanagement, diese sind fast alle durch die Topographie auf dem Grundstück bedingt:

Neben der Haustür ist die Terrassentür einer der großen Schwachpunkte für Wasser. Hier haben wir Glück, denn die Terrassentür liegt deutlich über dem Ursprungsgelände. Entsprechend muss ich mir an dieser Stelle nur Gedanken um das Wasser machen, das direkt von der Terrasse kommen könnte.

Auch hinter dem Haus sieht es eigentlich ganz gut aus. Hier verläuft ein leichtes Gefälle von Ost nach West und leitet das Wasser ganz automatisch am Haus vorbei. Dort sind ohnehin auch keine Türen, in die es einfach reindrücken kann.

Gut ist auch, dass das Grundstück größtenteils automatisch vom Haus weg nach Südwesten entwässert.

Fazit

Was bedeutet das jetzt für die Planung? Wassermanagement ist ein wichtiges Thema bei mir. Ignoranz führt wahrscheinlich dazu, dass irgendwann mal das Wasser zur Haustür reindrückt oder das Pflaster durch Frostschäden krumm und schief wird. Auf der anderen Seite sind einige Dinge auch entschärft und die anderen lassen sich vermutlich entschärfen. Wie ich das alles entschärfen will? Das erkläre ich im nächsten Artikel dieser Serie.