Gartenplanung Teil 2: Im Kaninchenbau Naturgarten

Nein, ich will keine halbwilden Kaninchen im Garten züchten, auch wenn der Gedanke durchaus etwas Belustigendes hätte. Das Ganze ist sprichwörtlich gemeint. Im Roman Alice im Wunderland fällt die Protagonistin in einen Kaninchenbau und entdeckt eine komplett neue Welt. Und ich bin nur einer harmlosen Buchempfehlung im Forum gefolgt und habe jetzt 14cm Lesestoff…“down the rabbit hole“ wie man unter jungen Leuten so sagt 😉

Gartenbücher…

Aber von Anfang an. Eigentlich war der Garten gar nicht so sehr unser Fokus. Besondere Pläne hatten wir nicht und es hätte nicht viel gefehlt, damit der Garten so durchschnittlich aussieht wie die meisten Gärten: Betonpflaster, ein bisschen Hecke am Rand, eine große relativ ebene Grasfläche, darauf ein paar Obstbäumchen und ein Drainagestreifen mit Wacken (den Steinen, leider nicht dem Festival!) ums Haus. Lediglich die schon länger geplante Trockenmauer wäre wohl besonders gewesen.

Ab und zu sind wir in der Bücherei und dort habe ich auch ganz fleißig Gartenbücher ausgeliehen. Die Bücher in der Bücherei auszuleihen ist übrigens sehr sinnvoll, denn die meisten sind Ausschuss. Geschrieben von Gärtnern, die sich als Künstler begreifen und durchgestylte Designer-Gärten anlegen. Gärten, in denen die Blüte der lampukischen Winterkirsche eine Spannung zu den Früchten der Zepettel-Sommerbirne bildet. Bei denen man sich fragt, was der Autor wohl vorher geraucht oder getrunken hat.

Die meisten dieser Gärten sind sehr teuer in der Anlage und aufwändig im Unterhalt. Fremde Pflanzen, fremder Naturstein (weil es schöne Steine ja nur in Vietnam gibt), alles in Großformaten (damit der Bagger auch mal ordentlich zum Einsatz kommen kann). Gärten, bei denen man unbedingt Pflanzen zurückschneiden muss, bevor sie sich versamen können und die „minderwertigen“ Nachkommen der hoch gezüchteten Hybriden den halben Garten übernehmen und selbige verdrängen. Gärten, bei denen man im Sommer bewässern muss und im Winter die Pflanzen abdecken, da sie nicht winterhart sind. Kurz gesagt, nichts für jemanden der seinen Garten in Eigenleistung anlegen will und auch nichts für Faule.

Aber zum Glück gibt es noch die Kategorie der naturnahen Gärten. Zumindest bis man die Bücher aufschlägt und feststellt, dass im Verständnis vieler solcher Bücher eher eine Scheinnatur gebaut wird und gerne eine eher fremde Natur in den Garten soll. Prärie zum Beispiel. Und auch hier ist häufig Pflege nötig, denn das System liegt nicht einmal ansatzweise im Gleichgewicht. Und auch hier eher Gärten zum Anschauen, künstlerisch komponiert. Dafür weniger familiengerechte Gärten, die man tatsächlich betreten und unsicher machen kann.

Am ehesten passen noch die Bücher über kleinere Gärten. Die haben den Vorteil, dass es einfach wenig Platz gibt und man keine ausschweifenden Präriebeete oder 500qm feinsten Golfrasen anlegen kann. Auch fallen Wege weg, die sich möglichst kompliziert durch den Garten schlängeln. Aber auch hier das volle Programm des Gärtners: Aufwändig zu pflegende Zierbeete mit hoch gezüchteten Hybriden und reihenweise fremden Arten.

Wild, bunt und sympathisch

Ganz anders kommt dagegen das Buch Natur für jeden Garten von Reinhard Witt daher. Empfohlen wurde das von den Holzhäuschen. Obwohl als Einsteigerbuch betitelt, bringt es schlanke 480 Seiten zwischen die Buchdeckel. Nach einer kurzen Einführung zum Thema heimische Wildpflanzen und den Aspekten eines gesunden Ökosystems, wird eine Reihe von Beispielgärten vorgestellt.

Wobei Gärten nicht immer das wirklich passende Wort ist, denn das erste Beispiel ist gar kein Garten, sondern eine Verkehrsinsel mit sagenhaften 17qm. Trotzdem kommen dort 20 Sorten Stauden (140 Stück) und 5 Gehölze unter. Und das alles für 10€/qm, zumindest zu damaligen Preisen. Nicht schlecht. Und auch noch pflegeleicht, denn im Wesentlichen wird einmal im Frühjahr alles gemäht und abgeräumt, sonst nichts. Das ist doch eher mein Ding. Wild, bunt, heimisch und pflegeleicht. Kein ständiges Düngen oder Zurückschneiden, kein Wässern, kein Abdecken von empfindlichen Pflanzen. Und auch gar nicht so teuer.

So geht es dann das ganze Buch weiter. Manche Gärten sind nur ein kleiner Abstandsstreifen, manche sind etwas größer. Manche sind auch etwas extrem, wie zum Beispiel der Hortus Insectorum. Aber alle schön und abwechslungsreich. Beim Durchlesen kommen dann immer wieder Ideen wie man etwas so oder so ähnlich auch im eigenen Garten umsetzen könnte. Ich war infiziert 😉

Hier geht es jetzt auch nicht nur um reine Optik, sondern darum dass sich die Lösung für echte Probleme ergibt. Ein Beispiel: Statt einer Frostschürze haben wir einen Frostschirm, d.h. die Dämmung der Bodenplatte steht über. Ein klassischer Spritzschutz ums Haus müsste relativ breit angelegt sein, damit der Randstein nicht auf die Dämmung betoniert wird. Wir reden hier von 60cm Überstand, plus den Randstein, plus Betonsockel, plus etwas Platz zur Drainage. Also schnell mal 90-100cm. So viel toten Raum will ich nicht ums Haus. Macht man daraus ein Beet mit einem Trockenstandort, wird der Platz sinnvoll genutzt und sieht auch noch gut aus. Gerade vor unseren bodentiefen Fenstern. Das Wasser zieht trotzdem ab. Und da der Platz jetzt nicht mehr tot ist, verschwindet auch der Druck den Streifen so schmal wie technisch möglich ums Haus zu ziehen.

Jetzt bleibt nur noch die große Frage…wie bekommt man auf Lehmboden einen Trockenstandort? Die Antwort darauf heißt Geländemodellierung. Einfach mal mit der unausgesprochenen Konvention brechen die besagt, dass ein Garten unbedingt flach sein muss. Man kann auch einige Stellen gezielt erhöhen und so den angesprochenen Trockenstandort am Haus schaffen. Bei uns ergibt sich das teilweise von selbst da wir etwas Hanglage haben. Stützmauern so nah am Haus wie möglich sind eine Sache…besonders wenn man als Laie keine Ahnung hat ab wann man die Standsicherheit gefährdet, aber den Teil unbedingt selbst machen will. Ist der Raum hinter der Stützmauer nicht mehr verschenkt, sondern genutzt, kann man auch einen Meter weiter weg gehen und riskiert nichts mehr.

Und so fallen Stück für Stück alle Puzzleteile zusammen: Eine Hecke kann man auch auf einen Wall pflanzen, eine Hecke muss nicht schnurgerade an der Grenze entlanglaufen und eine Hecke muss auch nicht direkt an der Grenze sein, sondern kann und sollte durch einen Saum aus Wildblumen ergänzt werden. Statt einer niedrigen Schnitthecke kann man eine aus Kleinsträuchern oder Wildrosen pflanzen, die nicht so hoch werden. Und so geht es weiter.

Trotz seiner schmalen 480 Seiten verweist das Buch dann aber häufiger auf das Naturgartenbau Buch sowie Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten. Also werden die auch geordert…denn bei Witt ist einiges anders. Und bisher (zur Hälfte mit Band 2 vom Naturgartenbau Buch durch) hat es sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn die Bücher dann doch eher etwas für Fortgeschrittene sind. Das Ganze verdient aber seinen eigenen Blogartikel.

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